Sonntag, 7. Mai 2017

Gesa Schwartz - Nacht ohne Sterne


Ein Roman wie teure Schokolade

Inhalt

Naya war schon immer anders als andere
Copyright by cbt Verlag
Menschen. Gefangen zwischen zwei Welten gehört sie keiner von beiden wirklich an.
Bis sich alles ändert, als sie erkennen muss, wer sie wirklich ist.



Sie ist die Tochter einer Elfe und eines Menschen, ein Mischwesen ohne Magie, zu gewöhnlich für das Volk ihrer Mutter, zu speziell für diejenigen, unter denen sie lebt. Ihre besten Freunde sind der Lichtelf Jaron und eine Fee. Nachts träumt sie vor allem von der verborgenen Welt der Elfen neben ihrem New York, doch näher als in den Erzählungen kommt sie ihr nicht.
Das ändert sich, als sie den Dunkelelf Vidar kennenlernt, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. Sie rettet ihm wider besseren Wissens das Leben und wird schon in einen jahrhundertealten Krieg mit hineingezogen, bei dem sie eine weitaus größere Rolle spielt, als sie jemals geahnt hätte.
Doch ist sie wirklich stark genug, ihre Rolle zu erfüllen?

 

 

 

 Meinung

 

Kennt ihr diese Bücher, die ihr partout nicht schnell lesen könnt, entweder weil sie viel zu dick sind oder weil einem jedes Wort auf der Zunge zergeht wie teure Schokolade? Genau zu dieser Kategorie gehört Gesa Schwartz' Roman, für den ich mehrere Monate gebraucht habe. Was nicht bedeutet, dass ich mich allzu sehr quälen musste.
Das lag vor allem an den Figuren. Der weiblichen Hauptperson Naya kann man vieles vorwerfen: Naivität, Dickköpfigkeit, Tollpatschigkeit. Aber sie weiß, was sie will und steht zu ihren Überzeugungen. Und sie zeigt eine Willensstärke, die angesichts ihrer Situation und den Anfeindungen, denen sie ausgesetzt ist, oftmals bewundernswert ist. Ein schöner Kontrast bietet da Vidar, unergründlich, düster und doch in seiner Verletzlichkeit faszinierend. Jaron, der typische "Good Guy" wirkt dagegen ziemlich blass und einseitig, bis er seinen eigenen inneren Konflikt durchleben muss, der ihn etwas weniger langweilig erscheinen lässt.
Die übrigen Charaktere, allen voran mein Liebling Rosa, runden das Gesamtbild sehr gut ab, auch wenn ich mir bei manchen etwas mehr Tiefe gewünscht hätte.



Ein weiterer Pluspunkt des Buches ist der unvergleichliche Schreibstil der Autorin. Ich gebe zu, es gibt bestimmt Leser, die sich erst an die ausufernden, sehr poetischen Beschreibungen gewöhnen müssen, aber ich fand sie toll. Gerade weil sie nicht zu überladen sind und wunderbar die perfekte Atmosphäre für die dargestellte Welt schaffen. Der Wechsel zwischen Hell und Dunkel wird so ganz toll untermauert, bis die Grenzen verschwimmen und es zum Showdown kommt.
Und genau das fand ich am besten an dem Buch: Hier scheint es anfangs klare Linien zu geben, doch mit jeder Seite wird einem klarer, dass es kein Gut und Böse gibt, sondern nur die jeweiligen Interessen, die mit Vehemenz verteidigt werden.
Was mich dabei etwas gestört hat, waren die langatmigen Szenen: Einen großen Teil des Romans scheinen die Protagonisten nur auf der Flucht zu sein, es kommt zu störenden Wiederholungen und ähnlichen Begebenheiten. Auch ein wichtiges Geheimnis wird nie gelüftet, etwas, was vielleicht nicht wichtig für das Ende ist, was ich allerdings schon gerne erfahren hätte. Gerade weil es vorher eine so bedeutende Rolle gespielt hat.




 Fazit   

 
Nacht ohne Sterne von Gesa Schwartz ist ein Roman, für den man sich wirklich Zeit lassen sollte, um ihn richtig zu genießen. Gerade der sehr poetische Schreibstil mit seinen klangvollen und äußerst bildlichen Beschreibungen lädt zum Träumen ein und schafft die passende Atmosphäre für die Geschichte über Magie und den ewigen Krieg der Elfen. Die Figuren machen Spaß, besonders diejenigen, die tiefgründig und facettenreich gestaltet sind.
Nur manche sich wiederholende Szene hätte man weglassen oder anders schreiben können und eine wichtige Angelegenheit wird nie aufgeklärt.
Wer Fantasystorys über Dunkel- und Lichtelfen liebt, die nicht unbedingt aus dem Highfantasybereich stammen, liebevoll ausgedachte Charaktere bevorzugt und sich dafür begeistern kann, wenn die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen, der sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen!

 

 

Short Facts:

  • Autorin: Gesa Schwartz
  • Verlag: cbt
  • Seiten: 544 (Gebunden
  • ISBN: 978-3-570-16320-7  
  • Preis: 18,99 € 

    4 Sterne



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An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an den cbt Verlag  für das Rezensionsexemplar!

 

Mittwoch, 26. April 2017

Alfonso Pecorelli - Das Mädchen, das die Welt veränderte


Detailverliebtes Märchen für Erwachsene mit etwas zuviel Schwarzweißmalerei

Inhalt


Copyright by Riverfield Verlag

Marie ist nur ein kleines Mädchen, aber sie weiß mehr über die Welt als so mancher schlauer Erwachsener.
Und das macht sie so wertvoll für die Menschheit.


Marie ist sehr krank, todkrank. Sie leidet unter dem Hunger und der Armut ihres Stammes, doch als sie in den Armen ihres Großvaters stirbt, beweist sie, dass sie reinen Herzens ist.
Allerdings scheint sie die Einzige zu sein. Das jedenfalls behauptet der alte Mann, den sie beherzt Elvis nennt und der ihr an dem paradiesischen Ort begegnet, an welchem sie erwacht. Das Mädchen will ihm nicht glauben, felsenfest davon überzeugt, dass die Menschheit im Grunde gut und voller Liebe ist.
Und so schickt Elvis sie auf eine phantastische Reise quer durch die Vergangenheit, damit sie jemanden findet, der wie sie die Frage aller Fragen richtig beantworten kann.
Aber ist es die Welt wirklich wert, gerettet zu werden?




Meinung
 

Das Buch wird von Verlag damit beworben, dass es bereits mit "Der kleine Prinz" und früheren Werken von Paolo Coelho verglichen wurde. Gerade das hat es für mich erst interessant gemacht, denn ich liebe Antoine de Saint-Exupérys bekanntesten Roman. Nur soviel: Da kann Alfonso Pecorelli nicht ganz mithalten, was seine Leistung jedoch nicht schmälert.
Was mich sehr begeistern konnte, waren die Figuren, zumindest zum größten Teil. Allen voran die aufgeweckte Marie und ihr Gegenüber, der weise Elvis, haben mir gut gefallen. Als eine Besonderheit ist hier auch die sprechende Blume Isabelle zu nennen, die dem kleinen Mädchen auf ihrer Reise tatkräftig zur Seite steht und als Erklärungshilfe fungiert. Aber auch die meisten anderen Charaktere konnten mich überzeugen, gerade weil der Autor viele ihrer Schrullen und bekannten Eigenheiten unterbringt, anhand derer sie erst richtig menschlich wirken.
Nur eine Person war mir dagegen etwas zu eindimensional dargestellt, doch dazu komme ich noch später.



Die Leichtigkeit des Schreibstils, die sich mit einem modernen Märchen vergleichen lässt, muss die Ähnlichkeit zu de Saint-Exupéry nicht leugnen, denn diese ist da. Nicht nur die Motive sind ähnlich (ein Kind auf der Reise nach dem Sinn des Lebens, unterschiedliche Stationen, der philosophische Kontext), auch die teils kindliche Erzählweise lehnt an "Der kleine Prinz" an. Das schafft eine sehr einfache, aber auch charmante Atmosphäre, deren Einzelheiten allerdings vermutlich nur Erwachsene verstehen.
Nun zum Kritikpunkt: Versteht mich nicht falsch, ich halte Hitler für einen sehr schlechten Menschen, einen Psychopathen, der unzählige unnötige und grausame Tode zu verantworten hat. Was mich nur stört, ist, dass er hier als das Böse schlechthin dargestellt wird. Ich denke, gerade weil er auch menschliche Seiten hatte, konnte er so viele Menschen auf seine Seite ziehen. Das wird hier völlig außer Acht gelassen. Bei einem Märchen für Kinder mag das in Ordnung gehen, aber die teils sehr ausgeschmückten, blutigen Details des Krieges sind nicht für so junges Publikum geeignet. Das hätte man auch anders lösen können. Zum Beispiel indem die wahnsinnige Seite des Führers überwiegt und man gleichzeitig zwei, drei "gute" Szenen einbaut. Einen Menschen zum Monster zu machen, ist ebenfalls eine Art Glorifizierung, die der Realität nicht gerecht wird.
Das ist besonders schade, da Elvis an anderer Stelle sagt, er wäre "das Erste und das Letzte", also auch Hitler, für dessen Taten er jedoch die Menschheit bestrafen will. Hier widerspricht sich der Autor sozusagen selbst.

 

 

 Fazit

 

"Das Mädchen, das die Welt veränderte" von Alfonso Pecorelli ist ein zum größten Teil sehr nachdenklich stimmendes Buch über die Philosophie des Guten und Bösen im Menschen.
Der Ansatz mit dem kleinen Mädchen, das reinen Herzens ist und daher auserwählt wird, Gott davon zu überzeugen, die Menschheit zu verschonen, ist wunderbar gewählt. Der Autor schafft es nicht nur, sehr detaillierte Figuren zum Leben zu erwecken, allen vorn die selbst erdachten Marie, Elvis und Isabelle. Ihm gelingt es auch, eine kindlich-charmante Atmosphäre zu schaffen, die manche von uns die Welt mit anderen Augen sehen lassen kann.
Allerdings widerspricht er sich an einer sehr wichtigen Stelle selbst und glorifiziert einen uns allen bekannten Menschen zum Monster, woran eine einzige kleine, nur mit viel Willen als positiv zu bezeichnende Szene leider nichts ändern kann.
Wer philosophische Bücher mit Ähnlichkeiten zu de Saint-Exupéry liebt, sich für liebevoll gestaltete Charaktere erwärmt und sich zudem für sehr schön gezeichnete Bilder begeistert, für den ist dieser Roman bestens geeignet.

 

 


Short Facts:

  • Autor: Alfonso Pecorelli
  • Verlag: Riverfield
  • Seiten: 224 (Gebunden
  • ISBN: 978-3-952-4640-76 
  • Preis: 22,00 € 

    4 Sterne



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An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an den Riverfield Verlag  für das Rezensionsexemplar!


Sonntag, 17. April 2016

Joseph Fink & Jeffrey Cranor - Willkommen in Night Vale


Wenn skurrile Phantasie auf die harte Realität trifft...

Inhalt

Copyright by Klett-Cotta Verlag

Hier ist nichts normal und auf gar keinen Fall so, wie es auf den ersten Blick scheint. Es gibt absonderliche Bewohner, Gebäude und auch Regeln.
Und trotzdem ist hier vieles nur allzu vertraut.



Ein seltsamer Unbekannter betritt ihr Pfandhaus und bringt damit Jackie Fierros Leben völlig durcheinander. Er verpfändet lediglich einen einfachen Zettel mit den Worten "King City" darauf und verschwindet dann in der Wüste. Von da an wird Jackie das Papier nicht mehr los. Und nicht nur das: Niemand will und kann sich an den Fremden erinnern.
Ebenso ergeht es Diane, deren Arbeitskollege Evan plötzlich nicht mehr zur Arbeit erscheint und angeblich niemals dort angestellt war.
Gemeinsam versuchen die beiden Frauen, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen und lernen dabei die düstersten und gefährlichsten Orte in ganz Night Vale kennen.




Meinung

Willkommen in Night Vale hat schon im Vorfeld viel Beachtung durch die Podcasts erhalten, auf denen das Buch basiert. Ich selbst kenne die Sendungen nicht, vielleicht konnte mich die Geschichte deshalb nicht so mitreißen wie andere Leser.
An den Figuren lag das zumindest nicht. Ich mochte sie alle, eben weil sie so anders und trotzdem völlig vertraut sind. Ihre Probleme sind so alltäglich, obwohl sich die Gesetze ihrer Welt teilweise sehr stark von unserer Realität unterscheiden. Die Suche nach der eigenen Vergangenheit und Identität oder die Sorgen und Nöte rund um sein Kind verleihen den Charakteren eine gewisse Tiefe, mit der man sich wunderbar identifizieren kann. Gleichzeitig bestechen sie durch ihre skurrilen Absonderlichkeiten, die ihre Wesenszüge perfekt abrunden und ergänzen.
Zusätzlich würzen die zwei Autoren ihr Ensemble mit interessanten Nebenpersonen, über die ich gerne mehr erfahren hätte, die allerdings auch nicht zu kurz kommen.



 Der Schreibstil passt toll zum Setting, überrascht mit vielen abgedrehten Wortneudeutungen, Formulierungen und Beschreibungen und ist mit einem kuriosen Humor unterlegt, den man mögen muss. Diese Dinge und der Plot an sich, der eine völlig unübliche Story getragen hätte, waren für mich das Positive an dem Roman.
Leider ist die Handlung teilweise sehr chaotisch aufgebaut und bis auf einen dünnen roten Faden oft ziemlich zusammenhanglos. Das eigentliche Geschehen hätte man auch auf weniger Seiten erzählen können, was nicht heißt, dass mir das Werk zu dick war. Es gibt einfach nur einen zu dürftigen Inhalt preis und die originellen Zwischenkapitel der Stimme aus Night Vale sind nicht in der Lage, diese Lücken zu füllen. Als Podcast mag das gut funktionieren, aber für ein Buch sind die einzelnen Abschnitte einfach zu blass. Man langweilt sich aufgrund der kurzen Sätze kaum, doch es bleibt auch am Schluss nicht wirklich was hängen. Gerade hier, bei einer Veröffentlichung, die so viel verspricht, war das für mich besonders ärgerlich und frustrierend. Da hätte man noch einiges mehr daraus machen können.



Fazit


Willkommen in Night Vale ist ein ungewöhnliches Werk zu den Podcasts von Joseph Fink und Jeffrey Cranor. Ihre skurrilen und trotzdem wunderbar vertrauten Figuren, der schräge Schreibstil und die Idee einer ganz und gar ungewöhnlichen Stadt haben mir an dem Roman mit am besten gefallen.
Allerdings fehlte es mir eindeutig an dem dazu passenden Inhalt. Die Handlung ist viel zu dünn und teilweise so zusammenhanglos konstruiert, dass mich Night Vale nicht so begeistern konnte, wie ich es aufgrund des Hypes erwartet hatte.
Wer die Vorlage kennt und liebt, verrückte Charaktere und Orte mag und sich für zwischendurch mal etwas Abgedrehtes gönnen will, für den ist das Buch super geeignet.




Short Facts:

  • Autoren: Joseph Fink & Jeffrey Cranor
  • Verlag: Klett-Cotta
  • Seiten: 378 (Gebunden) 
  • ISBN: 978-3608961379
  • Preis: 19,95 €

     

    3,5 Sterne


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An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an den Klett- Cotta Verlag und das Team von Blogg Dein Buch für das Leseexemplar!

Mittwoch, 13. April 2016

Mathias Malzieu - Der kleinste Kuss der Welt


Niedliche Geschichte voller skurriler Ideen

Inhalt

Copyright by carl's books
Es ist nur ein Hauch von einem Kuss, doch er löst Ereignisse aus, die niemand jemals so vorhergesehen hätte.
Denn er kann die unsichtbare Frau einfach nicht vergessen.


Im Théatre du Renard erhält er seinen Lebensmut zurück, nachdem seine letzte Liebe sein Herz in tausend Teile zersplittern ließ. Eine mysteriöse Frau gibt ihm einen kleinen Kuss und verschwindet dann spurlos in der Menge. Gerade die Tatsache, dass sie einfach unsichtbar wurde und er deshalb nicht weiß, wer sie ist, macht ihn neugierig und weckt in ihm den Wunsch, sie unbedingt wiederfinden zu müssen.
Doch dafür muss er allen Einfallsreichtum als Erfinder aufbringen und darf nicht aufgeben, denn die Identität seiner Auserwählten lässt sich gar nicht so einfach ermitteln, wie es zuerst scheint.




Meinung

Von Malzieus Bücher habe ich schon vieles gehört, hauptsächlich dass sie in ihrer Sprache etwas Besonderes sind. Und genau das hat mir auch an dem Roman am besten gefallen, selbst wenn er mich nicht restlos überzeugen konnte.
Die Figuren sind allesamt ziemlich skurril, aber auch gleichzeitig sehr liebenswert. Besonders der deprimierte Erfinder besticht durch seine Entschlossenheit, die Frau seiner Träume zu finden, und seinen kuriosen Einfallsreichtum. Man muss ihn einfach lieben, vor allem wenn man Charaktere mag, die absolut keinem Schema F entsprechen.
Genauso erging es mir mit dem Privatdetektiv Neige und seinem Papagei, die den Haupthelden bei seiner Suche tatkräftig und mit einigen zum Schmunzeln anregenden Ideen unterstützen.
Leider kommen da die Frauen etwas zu kurz für meinen Geschmack, obwohl die Liebesgeschichte an sich sehr niedlich rübergebracht wird.




Wie schon erwähnt ist der Schreibstil etwas ganz Außergewöhnliches. Malzieu versteht es, seine von Metaphern nur so übersprudelnden Sätze so kunstvoll aneinanderzureihen, dass man sämtliche Szenen unglaublich bildlich vor Augen hat. So in dem Maße habe ich das bisher bei keinem anderen Schriftsteller erlebt. Hinzu kommt ein leiser Humor, der die Story nicht zu ernst nimmt und dadurch wunderbar auflockert und zusätzlich bereichert. All dies unterlegt die kleinen, aber nichtsdestotrotz wichtigen Weisheiten, die der Autor in seinem Werk verpackt, so zu Beispiel dass man das Richtige oft direkt vor der Nase hat, ohne es als solches wahrzunehmen.
Was ich dagegen etwas vermisst habe, war die Tiefe der Geschichte über die oben genannten positiven Punkte hinaus. Zum Ende hin wird das am deutlichsten. Nicht nur die Auflösung ist ab einem bestimmten Punkt vorhersehbar, sondern lässt auch die Magie und die wunderschönen Wortschöpfungen etwas vermissen, die mir die erste Hälfte versüßt haben.




Fazit

Mathias Malzieus neustes Werk, Der kleinste Kuss der Welt, beweist immer wieder, dass der Autor wie kein Zweiter mit Worten umgehen kann. Seine skurrilen und gleichzeitig einfach liebenswerten Figuren, seine bildhaften und sehr ungewöhnlichen Metaphern und seine kleinen Weisheiten haben mir an dem kurzen Roman am besten gefallen.
Nur für den im Vergleich zum Anfang etwas platten Schluss habe ich einen Stern abgezogen, da er qualitativ nicht zum Rest passt.
Wer kuriose Märchen und gelungene Poesie liebt, gerne Geschichten mit leisem Humor und wunderbar absonderlichen Einfällen liest und vor allem einen sprachgewaltigen Schreibstil bevorzugt, der sollte sich Malzieus Bücher nicht entgehen lassen!






Short Facts:

  • Autor: Mathias Malzieu
  • Verlag: carl's books 
  • Seiten: 144 (Broschiert) 
  • ISBN: 978-3-570-58547-4 
  • Preis: 12,99 € 

    4 Sterne



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An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an den carl's books Verlag  für das Rezensionsexemplar!


Montag, 7. März 2016

Jennifer L. Armentrout - Dark Elements 02: Eiskalte Sehnsucht



Ein paar Liebesverwicklungen zuviel, ansonsten toll

Inhalt

Copyright by HarperCollins Germany
Sie hat den Mann verloren, den sie liebt und würde alles tun, um ihn von seinem furchtbaren Schicksal zu erlösen.
Doch seine unerwartete Rückkehr bedeutet nichts Gutes.


Nachdem Roth sich für sie und Zayne geopfert hat, ist Layla am Boden zerstört. Hinzu kommt, dass Abboth und seine Leute plötzlich Geheimnisse vor ihr haben und sie sogar wie eine Aussätzige behandeln. Zu allem Überfluss geschehen an ihrer Highschool mit einem Mal sehr verstörende Dinge und ihre eigenen Fähigkeiten beginnen, sich zu verändern.
Da taucht überraschend Roth wieder auf und berichtet Erschreckendes aus der Hölle, in der erneut verbotene Ränke geschmiedet werden.
Können sie auch diesmal die drohende Apokalypse aufhalten? Und wem in ihrer Umgebung kann Layla überhaupt noch vertrauen?




Meinung

Nachdem ich vom ersten Teil von Jennifer L. Armentrouts neuer Reihe schon so begeistert war, musste ich nach dem fiesen Cliffhanger sofort wissen, wie es weitergeht. Der Nachfolger kann nicht ganz mithalten, macht aber trotzdem Laune.
Was mich am meisten gefreut hat, war, dass die Figuren aus dem Vorgänger so konsequent und glaubhaft weiterentwickelt wurden und sich dabei selbst treu blieben. Vor allem Layla wird mit allerlei neuen positiven wie negativen Entdeckungen konfrontiert und reagiert überzeugend. Ihre inneren Kämpfe werden wieder wunderbar nachvollziehbar dargestellt, sodass man mit ihr mitfühlen und mitleiden kann. Toll fand ich diesmal auch, dass sie immer selbstbewusster wird und trotzdem ihre verletzliche Seite nicht verliert.
Aber auch die übrigen Charaktere zeichnet die Autorin so lebendig wie in Steinerne Schwingen, allen voran Roth, Zayne und Stacey. Über manche Personen hätte ich zwar liebend gern mehr erfahren, gerade weil sie für die Geschichte wichtig werden, doch das hätte wahrscheinlich den Rahmen des Buches gesprengt.



 Der Schreibstil ist unverändert klasse, so jugendlich und flüssig zu lesen und dennoch nicht zu platt. Mit den richtigen Worten schafft es Armentrout, die passende Atmosphäre zu jeder Szene herzustellen und würzt das Ganze mit ihrem wunderbar sarkastischen Humor. Man langweilt sich deswegen bei der Lektüre nur äußerst selten und das nicht nur bei den betont spannenden Stellen. Die Handlung hält nämlich einige unerwartete Wendungen bereit, mit denen man so nie gerechnet hätte. Geschickt werden falsche Fährten gelegt und kleine Hinweise in der Story untergebracht, die erst später Sinn ergeben.
Allerdings nimmt für mich die Dreiecksbeziehung zwischen Layla, Roth und Zayne viel zu viel Platz ein, besonders im Mittelteil, in welchem es um fast nichts anderes geht. Auf der einen Seite sind die Verwicklungen gar nicht mal so uninteressant, da dadurch die Figuren weiter glaubhaft ausgebaut werden. Andererseits drängt die andauernde Romantik und das ewige Hin und Her die eigentliche Bedrohung völlig in den Hintergrund. Aus dem Grund verliert die großartige Idee dahinter zu sehr an Bedeutung und wirkt teilweise unausgegoren.




Fazit


Eiskalte Sehnsucht kann zum größten Teil mit dem Vorgänger Steinerne Schwingen mithalten, auch wenn mich der zweite Band nicht so überzeugen konnte. An den authentisch weiterentwickelten Figuren, dem flüssigen Schreibstil, der richtig Laune macht, den unerwarteten Wendungen in der Handlung und der grandiosen Plotidee sieht man, dass die Autorin zu unterhalten weiß.
Leider verliert sich Armentrout im Mittelteil des Romans zu sehr in den Liebesverwicklungen rund um Layla, Roth und Zayne, sodass die eigentliche Bedrohung ärgerlicherweise viel zu viel an Bedeutung verliert.
Wer den ersten Teil geliebt hat, sich für glaubhafte jugendliche Charaktere begeistern kann und dem eine ausführliche Dreickecksgeschichte mehr liegt, für den ist das Buch auf alle Fälle perfekt geeignet!





Short Facts:

  • Autor: Jennifer L. Armentrout
  • Verlag: HarperCollins Germany
  • Seiten: 400 (Gebunden) 
  • ISBN: 978-3-959670043
  • Preis: 16,90 € 

    4 Sterne



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An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an HarperCollins Germany und das Team von Literaturtest  für das Rezensionsexemplar!


Donnerstag, 18. Februar 2016

Val McDermid – Jane Austens Northanger Abbey


Das typische Jane-Austen-Flair wirkt manchmal deplatziert


Inhalt

Copyright by HarperCollins Germany

Bücher sind ihre Welt. Sie lebt jeden Tag mit und in ihnen. Und sie wartet nur darauf, dass eine dieser Geschichten endlich Realität wird.
Doch die Wirklichkeit ist aufregend genug.
 


Cat Morland möchte nur eins: Ihrem langweiligen Leben in dem englischen Dörfchen im Piddle Valley entkommen und endlich eines der Abenteuer erleben, die sie in ihren geliebten Romanen so gespannt verfolgt hat. Als ihre vermögenden Nachbarn ihr anbieten, sie mit nach Edinburgh zu nehmen, sieht sie ihre Chance gekommen. In der schottischen Großstadt wird ihr bestimmt etwas Interessantes zustoßen.
Ihr Traum scheint sich zu erfüllen, denn sie lernt den rätselhaften Henry Tilney kennen, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. In ihrer Fantasie dichtet ihm eine geheimnisvolle Familiengeschichte an, aber die Wahrheit ist wesentlich mysteriöser, als sie sich in ihren wilden Träumereien je vorstellen konnte.




Meinung


Ich muss ganz ehrlich sein, ich bin ein Fan von Jane Austen. Dass sich nun ausgerechnet eine Krimi-Autorin an eine Neuadaption macht, fand ich ziemlich spannend. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, obwohl es mich nicht völlig überzeugen konnte.
Zu den Figuren muss ich sagen, dass Val McDermid zwar einerseits sehr gut den Ton und die Charakterisierung der Vorlage getroffen hat, aber andererseits ihren Figuren so manche Wesenszüge andichtet, die nicht direkt in unsere Zeit passen beziehungsweise sehr antiquiert wirken. Da hilft es auch nicht viel, wenn sich die Jugendlichen ständig über Facebook, Twitter und Twilight unterhalten. Zum Flair des Originals passt das hervorragend, doch für unserer Gegenwart waren mir vor allem die Mädchen einfach zu unselbstständig und naiv. Das bedeutet nicht, dass mir die Protagonisten generell nicht gefallen haben. Man muss sich lediglich auf sie einlassen, dann können sie auch die Geschichte tragen und so den Leser unterhalten.



Der Schreibstil erinnerte mich so stark an denjenigen von Jane Austen, dass ich mich gleich in einen ihrer Romane hineinversetzt fühlte. Unter dem Gesichtspunkt fand ich es auch überhaupt nicht schlimm, dass die Handlung nicht so ominös verläuft, wie man vielleicht aufgrund der Inhaltsangabe erwarten würde. Hier stehen in jedem Fall die gesellschaftlichen Verwicklungen wesentlich mehr im Vordergrund als irgendwelche Verbrechen, die es aufzuklären gilt. Das will ich mal vorwegnehmen, auch wenn es womöglich für den einen oder anderen ein Spoiler ist. Gerade bei der Schriftstellerin kann da schon mal ein falscher Eindruck entstehen.
Allerdings erscheinen dadurch auch so manche Szenen viel zu oberflächlich, gerade für uns. Im achtzehnten Jahrhundert waren eben schon Umstände skandalös, die uns heutzutage nur noch ein müdes Gähnen entlocken. Besonders die Ereignisse rund um Bella Thorpe langweilen wahrscheinlich die meisten eher als dass sie jemanden ernsthaft schockieren.



Fazit


Northanger Abbey von Val McDermid ist eine überdurchschnittliche Neuadaption des Klassikers von Jane Austen. Die Figuren, der Schreibstil und die Handlung, die alle stark an das Original angelehnt sind, machen den besonderen Charme und das Flair aus.
Leider sind die Charaktere und die Story an sich in vielen Teilen so stark an die Vorlage angelehnt, dass sie nicht vollständig in unsere Zeit passen und dadurch antiquiert und allzu oberflächlich wirken.
Wer die ursprüngliche Geschichte liebt, trotz der Autorin keinen spannenden Thriller erwartet und den die teilweise sehr seichten Verwicklungen nicht stören, der kann sich das Buch ruhig genauer ansehen.





Leseprobe


Short Facts:

  • Autor: Val McDermid 
  • Verlag: HarperCollins Germany 
  • Seiten: 448 (Gebunden) 
  • ISBN: 978-3959670180 
  • Preis: 19,90 € 


3 Sterne


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An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an den HarperCollins Germany Verlag und das Team von Literaturtest für das Rezensionsexemplar!

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