Dienstag, 29. Oktober 2013

Joachim Käppner – Profiler


Informativ und unterhaltsam


Inhalt

Copyright By Hanser Verlag
Was ist Profiling genau? Was kann es leisten? Welche Methoden werden dabei im Gegensatz zur normalen Ermittlungsarbeit der Polizei angewandt? Und inwiefern unterscheidet sich die deutsche Operative Fallanalyse vom amerikanischen Vorbild?

 

 

Die Morde der NSU an neun Ausländern zwischen 2000 und 2006 entpuppten sich als großes Rätsel für die damaligen Ermittler. Und stellten sich gleichzeitig als große Bewährungsprobe für die OFA heraus.
Anhand dieses großen Falls zeigt der Autor Joachim Käppner auf, was die Operative Fallanalyse, wie das Profiling in der Bundesrepublik genannt wird, leisten kann, welche Methoden die Ermittler dabei anwenden und worin ihre Schwächen liegen. Zusätzlich gibt er einen übersichtlichen Einblick in die Geschichte dieser Art der Verbrechensaufklärung, von ersten Anfängen über die Entstehung beim FBI bis hin zur Gründung der einzelnen OFA-Abteilungen in Deutschland.




Meinung

Nachdem ich Das Schweigen der Lämmer und Serien wie The Mentalist oder Profiler gesehen habe, war ich fasziniert von Ermittlern, die anhand von Tatorten und gesicherten Beweisen Rückschlüsse auf den Charakter des Täters ziehen konnten und ihn so überführten. Natürlich war mir klar, dass es so einfach wie auf der Leinwand in der Realität nicht funktioniert, aber mein Interesse war definitiv geweckt. Deswegen habe ich gleich die Chance ergriffen, als bei Wasliestdu? eine Leserunde zu Profiler von Joachim Käppner angeboten wurde. Und ich fand das Buch wirklich sehr informativ.
Besonders hat mich der geschichtliche Hintergrund überrascht. Die groben Anfänge reichen bis ins beginnende zwanzigste Jahrhundert zurück, als es zwar noch keinen Fachbegriff dafür gab, aber schon manche Verbrechensbekämpfer mehr über Psyche von Kriminellen herausfinden wollten. Dieser Rückblick wird ausführlich genug, toll recherchiert und nicht zu trocken präsentiert. Einige der beschriebenen Fälle kannte ich bereits, aber bestimmte spannende Details erfährt man hier nur aus der Sicht der OFA.




Positiv hervorzuheben ist auch die Tatsache, dass der Autor nichts beschönigt oder verklärt. Der Mythos des intuitiven Profilers wird regelrecht entzaubert, ebenso wie die mediale Darstellung vieler Mörder als Monster oder hochintelligente Psychopathen. Man erhält einen relativ guten Einblick in die Arbeit der deutschen Analytiker, der zwar ab und an etwas ausführlicher hätte sein können, doch nie langweilig wird.
Ebenso werden die Vorteile und Grenzen dieser Arbeitsmethode gegenüber des normalen Ermittlungsverfahrens der Polizei aufgezeigt und genau dargelegt, mit welchen Vorurteilen die OFA anfangs in Deutschland zu kämpfen hatte. Der Leser hat daher stets den Eindruck, eine fundierte und vor allem realitätsnahe Berichterstattung vor sich zu haben.
Was mich persönlich ein bisschen gestört hat, waren die häufigen Wiederholungen gewisser Sachverhalte, die eher wie Lückenfüller wirkten und weniger wie prägnante Aussagen an der richtigen Stelle.



Fazit

Profiler ist ein wirklich aufschlussreiches Sachbuch über die Geschichte und die Arbeitsmethoden der Operativen Fallanalyse in Deutschland. Der geschichtliche Hintergrund macht den Text ebenso lesenswert wie die beschriebenen Fälle und der flüssige Schreibstil. Die Fakten und Hintergründe werden weder zu trocken noch zu sensationslüstern präsentiert. Vielmehr legt Joachim Käppner spürbar viel Wert auf eine fundierte und realistische Berichterstattung, die nichts idealisiert oder zu einseitig darstellt.
Wenn man sich für Polizeiarbeit im Allgemeinen und das Profiling hierzulande interessiert, für den ist das Werk auf alle Fälle ein guter Einstieg, sich umfassend darüber zu informieren.







Short Facts:

  • Autor: Joachim Käppner
  • Verlag: Hanser

  • Seiten: 352 (Gebunden)

  • Preis: 21,90 € 

     

     


     
    4,5 Sterne



     


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