Donnerstag, 12. Dezember 2013

Blogtour zu "Die Gossen von Farefyr" von Temper R. Haring Station 3






So, bei mir, der dritten Station zu Temper R. Harings Die Gossen von Farefyr gibt's heute was ganz Besonderes. Der Autor war so lieb und hat mir nicht bloß ein paar Hinweise zu seinem Handlungsort geliefert, sondern hat sich hingesetzt und exklusiv für euch eine eine kleine Führung durch seine Stadt Farefyr verfasst. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Temper R. Haring für diesen richtig tollen Text bedanken!


Lest ihn euch auch ganz genau durch, denn in dem Text versteckt sich mit bunten Buchstaben ein Name, den ihr erraten müsst, um an der Verlosung des eBooks teilzunehmen. Wenn ihr die richtige Lösung gefunden habt, schreibt mir einfach bis zum 23.12.2013 eine Email mit eurer Adresse, dem Betreff "Blogtour: Die Gossen von Farefyr" und natürlich dem Namen an RedGabriella@freenet.de.





Eine Tour durch Farefyr



„Herzlich Willkommen in Farefyr, liebe Gäste!“, begrüßt Sie der beleibte Reiseleiter, als Sie völlig geschafft das schwankende Boot verlassen.



Auf dem Kopf trägt er einen großen, braunen Hut, der die ohnehin schon merkwürdig anmutende Gestalt noch lächerlicher wirken lässt.



„Kommen Sie, kommen Sie!“



Die aufgesetzte Freundlichkeit und das dreckige Grinsen in seinem Gesicht lassen Sie an der Seriosität des Mannes zweifeln.



Stand in der Broschüre nicht etwas von ‚kompetentem Personal’ und einem ‚einmalig bezaubernden Stadterlebnis’?



Sie und die restlichen Touristen stellen sich in einem unordentlichen Halbkreis um den Mann auf, der gemütlich wartet, bis alles auf seinem Platz ist.



„Mein Name ist Bibor Waxfield.“, spricht er schließlich aus dem dichten, schwarzen Schnauzbart hervor.



Ihnen drängt sich der Gedanke auf, einfach davonzugehen und so zu tun, als hätten Sie die Führung nicht gebucht.



„Ich habe heute die Ehre, Sie durch unsere schöne Stadt zu begleiten. Ihre aufgeregten Gesichter verraten mir, dass Sie es gar nicht erwarten können, jedes kleinste Detail zu erfahren. Haha, nur Geduld meine Damen und Herren, wir haben ja den ganzen Tag Zeit.“



Den ganzen Tag? Worauf haben Sie sich da nur eingelassen?



Sie blicken sich um und bemerken, dass die, auch zu Beginn schon miserabel gewesene, Stimmung ihrer Begleiter einen neuen Tiefpunkt erreicht hat.



„Wir befinden uns hier im Hafengebiet.“, beginnt Waxfield zu erklären. „Es ist zwar nur das drittgrößte des Kontinents, aber dennoch das mit dem meisten Verkehr. Ist diese Tatsache an sich nicht schon erstaunlich, liebe Gäste? Waren aus aller Welt werden hier aus den Schiffen geladen, seien es Gewürze aus Levona, Seidengewänder aus Najat, die berühmten…“



Gelangweilt driftet Ihre Aufmerksamkeit ab und Ihr Blick wandert in der Gegend herum, doch Sie finden nichts Besonderes.



Genauso gut hätten Sie zu Hause bleiben können, denn der Hafen sieht aus, wie jeder andere auch.



„…bis zu dreißig Schiffe am Tag. Doch diese logistische Meisterleistung wird allein durch…“



Sie fragen sich, wie Sie das länger ertragen können, aber ohne einen Führer würden Sie sich in den zahlreichen Gassen sicher nicht zurechtfinden. Die Gaststätte, von der man Ihnen versicherte, dass sie eine der besten und nobelsten sei, befindet sich weit weg vom Hafen, im südlichen Viertel von Farefyr.



„Gehen wir weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit. Wenn Sie mir nun bitte folgen würden, werte Damen und Herren.“



Ah, es scheint weiter zu gehen. Wie ein prächtiger Feldherr stolziert der Dicke voran seinen Truppen, die als Kontrast dazu wirken, als hätten sie gerade eine blutige Schlacht verloren.



Während dem kleinen Marsch plappert er heiter weiter, ohne auf die Menschen hinter sich zu achten, was Ihnen die Möglichkeit gibt, sich bei den anderen etwas umzuhören.



Anscheinend hat aber auch sonst niemand eine Ahnung wo genau das Ziel der Tour liegt.



Einige Mutige, zu denen auch Sie zählen, beschließen, sich bei der nächsten Gelegenheit abzusetzen – in der Hoffnung, sich auf eigene Faust durchfragen zu können.



Nachdem die Gruppe einen großen Platz durchschritten hat, stellt sich der Reiseführer auf Treppen, die am Fuße einer gewaltigen Säule liegen, und wendet sich wieder Ihnen und Ihren Leidensgenossen zu.



„Wie nun unschwer zu erkennen ist, sind wir in der Mitte des Marktplatzes angekommen. Hier können Sie alles, was das Herz begehrt, erwerben. Aber Halt, Halt, geben Sie nicht gleich Ihr ganzes Geld aus.“ Mit einem Lächeln hebt er mahnend den Zeigefinger. „Am Ende unserer Führung wartet auf Sie ein ganz besonderes Geschäft, bei dem Sie sicher nicht widerstehen können. Ich will jetzt nicht zu viel verraten, aber was auf Sie wartet, wird Ihnen den Atem verschlagen.“



Zufrieden wie ein vollgefressener Kater, schaut er einen nach dem anderen der Touristen an.



Die seelenlosen Augen des widerlichen Kerls jagen Ihnen, als Sie an der Reihe sind, einen kalten Schauer über den Rücken.



„Ich sehe schon. Ihr Wissensdurst ist unersättlich. Natürlich mache ich Sie mit der größten Freude auf die historischen Besonderheiten aufmerksam, die Sie in Farefyr an fast jeder Ecke finden können. Eben diese Säule, vor der wir hier stehen, wurde vor über tausend Jahren von Lurios, dem Eroberer, an diesen Ort gebracht. In dieser kriegerischen Zeit herrschten im Nord-Westen, in einem Land, das heute ein Teil des Wywarrick Empire ist, die Muriaren…“



Oh Gott…



Die eintönige, plumpe Stimme Waxfields bereitet Ihnen schwere Kopfschmerzen und Ihre Füße tun langsam weh vom ewigen Stehen. Wenn Sie den Fettsack doch einfach zum Schweigen bringen oder sich zumindest einmal irgendwo hinsetzen könnten.



Gibt es an diesem verdammten Ort nicht irgendwo eine Bank oder ähnliches?



Nach einer halben Stunde – War das wirklich erst eine halbe Stunde? Das sagt zumindest die Turmuhr… – ist der Vortrag von aneinander gereihten Nichtigkeiten vorbei und die Gruppe wandert endlich weiter.



„Nur nicht so zögerlich, meine Damen und Herren, wir kommen bald zum Höhepunkt der gesamten Tour!“



Am Ende der Straße sehen Sie meterhohe Mauern, die gerade noch so von den anderen Gebäuden überragt werden.



Dahinter erblicken Sie nicht nur den Turm, von dem Sie eben die Zeit gelesen haben, sondern auch majestätische Bauten mit imposanten Kuppeln und Rundbögen.



Na, das ist doch mal was!



Im Inneren erwarten Sie sicher beeindruckende Fresken, Gemälde, Statuen und sonstige Kulturgüter. Eben genau das, weswegen Sie diese beschwerliche und nervenaufreibende Reise überhaupt auf sich genommen haben.



Am Eingangsbereich der Mauer stehen Wachmänner in grünen Umhängen und auf Hochglanz polierten Rüstungen.



Der Reiseführer bittet Sie, sich einen winzigen Moment zu gedulden, da er mit jenen noch ein paar nicht geklärte Einzelheiten zu besprechen habe. Erneut müssen Sie also warten…



Nach wenigen Augenblicken kommt er mit gesenktem Kopf zurück.



„Ich muss Ihnen mein allergrößtes Bedauern kundtun, meine werten Gäste, aber leider ist ein verwaltungstechnischer Fehler aufgetreten. Die tüchtigen Wachen berichteten mir eben, dass unser kleiner Rundgang durch den Ratspalast erst für den morgigen Tag ausgemacht worden sei. Schande über mein Haupt!“



Theatralisch legt er den Handrücken an die Stirn.



„Natürlich erhalten Sie von der Farefyr-Reisegesellschaft eine stattliche Entschädigung für diesen ärgerlichen Fehler! Sehen Sie mich bitte nicht so strafend an, ich versichere Ihnen, dass ich selbst nichts damit zu tun hatte, mich aber trotzdem persönlich um die Entlassung des Schuldigen kümmern werde.“



Enttäuschtes Gemurmel bricht in der Gruppe aus und auch Sie schrecken in Ihrer Empörung nicht davor zurück, den einen oder anderen, bissigen Kommentar in die Runde zu werfen.



Schließlich zahlen Sie ja auch genug Geld für diesen Schwachsinn.



„Aber bitte, bitte. Beruhigen Sie sich doch, meine Teuersten. Ich schlage vor, wir machen uns gleich auf zu den Unterbringungen. Sicherlich haben Sie schon einen riesigen Hunger und sind müde von der Reise. Ja? Na, was sag’ ich denn? Auf Sie warten die besten Köstlichkeiten, die Farefyr zu bieten hat. Aber wir servieren Ihnen nicht nur lokale Gerichte, nein, für diejenigen, die es gerne etwas schärfer mögen, gibt es Spezialitäten aus dem Ossreich. Haben Sie schon einmal die berühmte Regentinnentorte probiert? Ich verspreche Ihnen, Sie werden begeistert sein...“



Während Waxfield die gesamten Speisen der vier Reiche aufzählt, führt er Sie endlich in Richtung der Gaststätte.



Seit zum ersten Mal von Essen und Rast die Rede war, sind die mürrischen Stimmen der aufgebrachten Touristen verstummt und auch Sie haben keine Kraft mehr für weitere Diskussionen.



Sie freuen sich nur noch auf eine üppige Mahlzeit und ein weiches Bett. Sie sind sogar bereit, die Unannehmlichkeiten des Tages zu vergessen und sehen unter Umständen davon ab, den Beschwerdebrief zu verfassen, den Sie in Gedanken schon ausführlich formuliert haben.



Inzwischen ist die Sonne schon an den Rand des Horizonts gewandert und in den Gossen von Farefyr breiten sich die Schatten aus.



Sie verspüren ein mulmiges Gefühl in der Magengegend.



Anscheinend hat Ihr Körper, früher als Sie, gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt.



Bis jetzt sind Sie den anderen unaufmerksam nachgegangen und haben die vielen Details einfach übersehen.



Wo bringt dieser seltsame Mann Sie bloß hin?



Das hier ist sicher nicht die versprochene ‚feinste Gegend der Stadt’!



Überall liegt Dreck und die Häuser wirken heruntergekommen… irgendwie schäbig.



Das ist doch nun die Höhe!



Sie haben das üble Spiel durchschaut. Jetzt steckt man Sie sicher in die billigste Absteige, die man hier finden kann!



Sie werden abgeschoben, wie ein… wie ein… haben Sie gerade richtig gehört? Da schreit doch einer um Hilfe.



Bibor Waxfield geht jedoch unbekümmert weiter und Sie haben keine andere Wahl, als ihm zu folgen.



Sie können es nämlich nicht riskieren an diesem fremden Ort abgestochen zu werden… oder gar schlimmeres.



Auch die anderen wurden offenbar bereits von Furcht ergriffen und fangen jetzt an, miteinander zu tuscheln.



„Hier sind wir schon. Nur hereinspaziert, meine Damen und Herren.“



Mit dem Eifer einer Herde Rinder, die zum Schlachthof geführt wird, betreten Sie mit den Leuten das dunkle Gasthaus, vor welchem Waxfield Halt gemacht und die Türe geöffnet hat.



Weglaufen hat nun wohl keinen Sinn mehr und Sie fügen sich Ihrem Schicksal. Der fette Bibor schließt hinter dem letzten Touristen die Türe ab, was Ihren schlimmsten Verdacht bestätigt.



Im großen, finsteren Zimmer steht ein einzelner, schmächtiger Mann mit Halbglatze.



Dieser blickt mit einem warmen Lächeln in ihrer aller Gesichter und breitet begrüßend die Arme aus, als der Dicke sich zu ihm gesellt.



„Seien Sie gegrüßt, liebe Reisende!“, verscheucht er mit leiser Stimme die Totenstille, die im Raum herrschte. „Ich hoffe, Ihnen hat die Führung gefallen.“



Während er redet, vernehmen Sie von den Treppen auf der linken Seite die Geräusche von schweren Schritten mehrerer Füße, welche diese hinunterführen und immer näher kommen.



„Bibor hat Sie bestimmt ziemlich gelangweilt. Sie müssen wissen, er nimmt seine Aufgabe immer schrecklich ernst.“



Sich schuldig bekennend, nickt der Mann neben dem Sprechenden und die erste der maskierten Gestalten erscheint an den Stufen.



„Für die, die es noch nicht gemerkt haben,…“, er hält kurz inne.



Die Kammer wird immer voller, als schwarz bemantelte Figuren sich hinter die beiden Männer stellen und sich mehr und mehr Augenpaare auf die Reisegruppe richten.



„…das ist ein Überfall. Seien Sie aber nicht zu enttäuscht und betrachten das Ganze als eine hilfreiche Lektion: Vertrauen Sie niemandem von hier, dann leben Sie länger. Jetzt öffnen Sie bitte Ihre Taschen. Meine freundlichen Mitarbeiter werden Sie etwas erleichtern, aber wenn Sie kooperieren, werden Sie Ihnen wahrscheinlich nichts antun.“



Einer ihrer Reisekollegen bricht wimmernd zusammen, während Sie und die anderen bereits die Geldbörsen hervorholen.



„Ah ja“, wirft der halbglatzige Räuber plötzlich hässlich grinsend ein und Sie befürchten bereits das Schlimmste. „Sollte es Ihnen noch niemand gesagt haben: Willkommen in Farefyr!“




© Temper R. Haring 2013

 

 


Hier ist nochmal die Liste aller teilnehmenden Blogs:

 

3.12. Weltenwanderer

8.12. Bücher Welten

12.12. World Wide BookZ

15.12. a bookshelf full of sunshine

18.12. Binchen´s Bücherblog

22.12. Ruby´s Cinnamon Dreams

 

 

 

1 Kommentar:

  1. Hallo RedSydney,

    was für ein toller Einblick, den Du uns Lesern mit Deinem heutigen Beitrag zur Blogtour lieferst.
    Danke dafür.

    Das Ende ist schon wirklich krass und man kann wirklich gespannt sein, was noch alles passiert.

    Meine Lust hast Du auf alle Fälle geweckt.

    LG..Karin...

    PS: Mail an Dich mit der Lösung gerade abgeschickt.

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