Montag, 26. Mai 2014

Gedankenspiele #1: Der Sinn und Unsinn von Rezensionen








Sooo, ich habe schon länger überlegt, ob ich mal so etwas wie eine Kolumne auf meinem Blog posten soll, denn es gibt so viele Themen in der Bücherwelt, über die ich mir meine eigenen Gedanken mache. Dinge, die euch vielleicht selbst schon beschäftigen oder über die ihr gerne mit anderen diskutieren würdet. Dinge, die euch womöglich sehr interessieren und über die ihr gerne mehr erfahren würdet. Und/Oder Dinge, über die ihr bereits nachgedacht habt und gerne wissen würdet, was andere davon halten.



Soviel zur ideologischen Wunschvorstellung. Eigentlich möchte ich bloß eine Sparte in meinem Blog haben, in der ich mich mal richtig auskotzen kann, wenn's nötig wird. Oder einfach meine Gedanken aufschreiben, sie so ordnen und gleichzeitig ein paar Denkanstöße für andere geben kann. Das heißt, ihr müsst mein Geschreibsel nicht lesen, wenn ihr nicht wollt und könnt es gleich gepflegt ignorieren.
Diejenigen, die sich jetzt noch nicht haben abschrecken lassen, können gerne ihren Senf (bitte, bitte, bitte auch Kritik und/oder anderweitige Meinungen) in den Kommis hinterlassen, wenn sie wollen.



Okay, genug der Vorrede und zur kurzen Erklärung, warum ich ausgerechnet dieses Thema für meine erste Kolumne gewählt habe. Grund dafür ist dieses Video der beiden Glimmerfeen, deren Kanal ich regelmäßig besuche und das sich genau mit diesem Problem befasst:









Dieses Video hat mich sofort zum Nachdenken angeregt und letztendlich dazu geführt, dass ich selbst gerne meine Meinung dazu abgeben möchte, da das Thema doch mehr Zündstoff bietet, als man anfangs meinen könnte.



Zuallererst sind Rezensionen ja ein elementarer Bestandteil eines Buchblogs, nicht nur für diejenigen, die regelmäßig Rezensionsexemplare von Verlagen erhalten. Wir alle stellen im wesentlichen entweder neue Werke vor, bewerten sie oder berichten über Buchkäufe, die wir getätigt haben. Deswegen könnte man meinen, dass es nicht gerade zweckmäßig oder sogar richtig kontraproduktiv wäre, über den Sinn von Rezensionen nachzudenken. Immerhin will man ja nicht unbedingt den Ast absägen, auf dem man sitzt oder besser gesagt, seinem eigenen Blog die Grundlage nehmen. Keine Angst, soweit würde ich nicht gehen und darauf läuft dieser Post auch nicht hinaus, aber inzwischen sehe ich die ganze Sache etwas differenzierter als noch zu Anfangszeiten meines Blogs.



Das liegt grundsätzlich an einer Tatsache, die man nicht leugnen kann: Man kann seine Meinung begründen, das sollte man meiner Ansicht nach auch in dem Fall. Man kann sie sogar so rational begründen, dass niemand bestreiten kann, dass sie so objektiv wie möglich dargestellt wird. ABER: Es bleibt die eigene Meinung. Das heißt, jeder andere kann das betreffende Buch komplett anders bewerten als man selbst und genauso nachvollziehbare Gründe dafür finden, sodass man nicht einmal behaupten kann, er oder sie hätte Unrecht.
Zudem passiert es ziemlich häufig, dass sich der persönliche Geschmack mit der Zeit ändert. Früher mochte man zum Beispiel bestimmte Kinderbücher, die jetzt absolut nichts mehr für einen sind. Oder man hat soviel aus einem einzigen Genre gelesen, dass man unbedingt etwas Abwechslung braucht, weil sich die Geschichten immer mehr ähneln.
Und dann ist natürlich auch noch das Argument, dass veränderte Lebenssituationen ebenfalls eine Menge bewirken können. Wer verliebt ist, kann plötzlich Liebesschnulzen unglaublich toll finden, obwohl er oder sie vorher einen weiten Bogen darum gemacht hat. Oder man erlebt etwas Grauenvolles (Unfall, Krankheit, Tod) und kann sich überhaupt nicht mehr mit gewissen romantischen Vorstellungen in dramatischen Storys anfreunden, die jeglichem Realismus entbehren, was man vorher nie erkannt hätte. Das heißt, Bewertungen sind keine feste, in Stein gemeißelte Größe, die man in hundert Jahren noch so treffen würde. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten, wenn man eine Rezension schreibt oder liest.



Und das deckt sich auch mit den Gründen, die ich habe, mir andere Rezensionen durchzulesen. Schon vor ein paar Wochen, nach diesen beiden Montagsfragen von Libromanie (eins und zwei), habe ich mir Gedanken über das "Problem" gemacht. Ich selbst lese andere Bewertungen meist erst, nachdem ich das betreffende Buch beendet habe, da ich mich nicht von der fremden Meinung vorher schon beeinflussen lassen will. Ich muss zugeben, dass ich etwas generell auch erst dann aufgrund einer Rezension kaufe, wenn ich bereits ein gutes Gefühl hatte und dieses dann bestätigt oder verstärkt wird. Außerdem richte ich mich meistens nur nach den Bloggern, von denen ich weiß, dass sie denselben Geschmack haben wie ich.
Meistens allerdings sind Rezensionen für mich ein Mittel, mich im Nachhinein darüber zu informieren, was andere von einem Werk halten. Ich mag es einfach unglaublich gerne, unterschiedliche Perspektiven kennen zu lernen, selbst wenn ich dieses oder jenes ganz anders sehe. 



Keine Angst, das bedeutet jetzt nicht, dass ich ab jetzt keine Rezensionen mehr schreiben werde. Ganz im Gegenteil. Ich bin mir jetzt bloß mehr als vorher im Klaren darüber, dass ich hauptsächlich meine eigene Meinung zum Besten gebe. Eine Meinung, die nicht jeder teilt und/oder teilen kann, von der ich euch aber gerne berichten würde, weil mir das Aufschreiben unglaublichen Spaß macht. Und weil ich meist erst dadurch so manche Kleinigkeit bemerke, die mir vorher bei der Lektüre gar nicht so aufgefallen ist.
Das heißt, seht meine Bewertungen einfach als Vorschlag, falls euch ein Buch sowieso schon anspricht. Und vielleicht ist die Idee der Glimmerfeen auch gar nicht so schlecht, sich ein bisschen mehr darauf zu konzentrieren, welche Zielgruppe das jeweilige Werk ansprechen könnte. Und welche Gründe man haben könnte, gerade diesen Roman regelrecht zu verschlingen. Dann könnt ihr als Leser auch sicher sein, dass ihr ab und an mal ein Buch entdeckt, das ihr sonst nie bemerkt hättet.



Was meint ihr dazu?





Kommentare:

  1. Da muss ich doch glatt mal meinen Senf zu abgeben!
    Ein sehr gelungener Beitrag! Habe mich erst vor kurzem dazu entschlossen Rezensionen auf meinem Blog einzustellen, da ich diese am wenigsten auf anderen Blogs lese. Zum einen aus Angst gespoilert zu werden und zum anderen um unvoreingenommen an ein Buch herangehen zu können! Von daher habe ich lieber an diversen Aktionen teilgenommen. Nun hat sich das Blatt allerdings gewendet und auch ich bin der Meinung ein Buchblogger sollte Rezensionen schreiben ;) Ist also gar nicht so selbstverständlich *g*
    Wie du auch in deinem Beitrag erwähnt hast, ändern sich jedoch mit der Zeit Geschmäcker oder man hat in dem Genre mehrere Vergleichsmöglichkeiten, sodass sich im Kopf die Bewertung eines Buches, welches man vor einem Jahr mit 5 Sternen bewertet hat, ändert und man hätte diesem vielleicht sogar nur 3 verpasst! So gehts mir mittlerweile bei sehr vielen Büchern, die ich zu Beginn des letzen Jahres gelesen habe.

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    1. Wow, mit so einer Reaktion habe ich gar nicht gerechnet! Ich meine, ich kann wirklich verstehen, warum einige Blogger sagen, sie schreiben keine Rezis mehr oder lassen die Sterne- oder anderen Punktebewertungen weg, weil die Leser nur noch danach gehen. Andererseits fände ich es schade, wenn gar keiner mehr Rezensionen schreiben würde aus dem Grund, denn es ist eine super Grundlage, um sich miteinander über Bücher auszutauschen. Nur dieser Gedanke, dass ein Buch, das man selbst toll findet, jedem gefallen muss, ist etwas, von dem man wegkommen sollte. Denn wenn man es genau überlegt, wäre das echt langweilig, so ein Buch, das so gar nicht polarisiert.

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    2. Die Rezensionen schreibe ich eigentlich hauptsächlich für mich, um wirklich die wichtigsten Punkte eines Buches für mich zusammenzufassen! So habe ich einfach nochmals einen Anhaltspunkt, warum mir das Buch gefallen hat und das auch in ein paar Jahren!
      Bin gespannt, welches Thema du dir als nächstes herauspicken wirst!
      Hab noch einen schönen Abend!
      Liebe Grüße
      Steffi

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  2. Hallöchen,

    bisher nur ein Kommentar? Das ist schade, denn ich finde deinen Beitrag mehr als gelungen.
    Ich stimme dir eigentlich in allen Punkten zu und musste selber heute feststellen, dass man
    unterschiedliche Sichtweisen haben kann.
    Für mich wies das Buch starke Parallelen mit einem anderen auf, einer Kommentatorin ging es nicht so.
    Ich lese Rezis, wenn ich es tue, dann meist auch erst nach dem Lesen des Buches. Nur ganz ganz ganz selten vorher.

    Liebe Grüße Sarah
    http://booksonpetrovafire.blogspot.de/

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    1. Und ich finde das auch vollkommen okay so, besonders wenn man sowas akzeptieren kann. Das ist auf alle Fälle besser, als wenn man sich untereinander in die Haare kriegt, bloß weil ein anderer das Buch nicht mag, das einem selbst am Herzen liegt (siehe so manche Amazonrezension und die Reaktionen darauf!). Deswegen kann man immer noch Buchtipps geben, ganz unverbindlich, ohne den Druck dahinter, dass alle Leser den Roman jetzt unbedingt kaufen müssen.

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  3. Hallo;)
    na da muss ich meinen Senf auch mal zu geben ;)
    Mir geht es wie dir, auch ich lese vollständige Rezensionen nur, wenn ich das Buch kenne, oder ich gerade lesen mag. Auch ich will mir meine eigenen Gedanken zu den Büchern machen, und noch immer kaufe ich mir Bücher, weil mir das Cover oder der Klappentext gefällt, vor dem bloggen war das ebenso.
    Ich mag mir keine Meinungen aufzwingen lassen und will das auch anderen nicht antun.
    Ich versuche mich in meinen Rezensionen mit spoilern zurück zu halten und wirklich nur meine Meinung kund zu tun.
    Wie oft habe ich Bücher gelesen, die die Masse total super fand und ich einfach nur gähnend den Schluss abgewartet habe (so z.Bsp. "Die Auswahl"). Als ich dann meine nicht so gute Meinung zum Buch bekannt gab, kamen auf einmal ganz viele Stimmen, denen das Buch auch nicht gefiel. Aber vorher wurde das überall hoch hinaus gelobt. So viel zum Thema Meinungsverschiedenheit - es gibt sie, und das ist gut!!!
    Ich finde Rezensionen trotzdem gut und wichtig, kommt man auch so Bloggern "näher" und merkt - hey, die hat den gleichen Geschmack. Und dann schaue ich natürlich auch näher hin;)

    Und ja, Geschmäcker ändern sich. Ich lese nun schon seit vielen, vielen Jahren. Und es gab Bücher, die habe ich vor 20 Jahren geliebt ohne Ende. Als ich dann später nochmal reingelesen habe, fragte ich mich, wieso nur!? Aber genau - es ändern sich Lebensumstände und man wird älter (reifer??). Aber so ist das Leben ;)

    Danke jedenfalls für den tollen Beitrag und Denkanstoß!

    Liebe Grüße Anett.

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  4. Hey :)

    ein toller Beitrag über ein Thema, über das ich mir noch gar nicht so viele Gedanken gemacht habe. Mein Blog ist ja noch ziemlich jung, also übe ich mich noch im Rezensionen schreiben, aber bevor ich deinen Beitrag gelesen habe, habe ich eigentlich gedacht, dass das zum Buchbloggen dazugehört.
    Ich selbst lese öfters Rezensionen über Bücher, bevor ich sie kaufe, zumindest von den Bloggern/Youtubern, deren Geschmack meinem relativ ähnlich ist. So vermeide ich auf jeden Fall Fehlkäufe. Aber ich ärgere mich auch immer, wenn ich dann aus Versehen auf Spoiler treffe. Deswegen mache ich bei mir nur Rezensionen ohne Spoiler, wenn ich ein Buch dann detaillierter besprechen möchte, nenne ich es Diskussion. Die sollte man dann auch nur lesen, wenn man das Buch auch schon gelesen hat.

    Und auch mit den Geschmäckern hast du recht, das merke ich allein schon, wenn ich in meinem Buch der Bücher vom letzten Jahr blätter und manche Bewertungen kaum nachvollziehen kann, weil ich in der Zwischenzeit vielleicht schon sehr viel bessere Bücher gelesen habe und sich meine Maßstäbe geändert haben. Aber was macht man dann? Sollte man seine Rezensionen alle Monate mal wieder anpassen? Oder muss man seine Leser explizit darauf hinweisen, um Gemotze im Vorhinein zu vermeiden?

    Damit hast du mir auf jeden Fall einige Gedanken auf den Weg gegeben und ich freue mich schon auf weitere solcher nachdenklichen Beiträge von dir. :)

    Liebe Grüße,
    Kim

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  5. Ein sehr gut geschriebener, interessanter Beitrag! Über das Thema habe ich mir auch schon öfter Gedanken gemacht, und bin eigentlich komplett deiner Meinung... Die Rubrik Gedankenspiele finde ich eine gute Idee!

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  6. Über einen Punkt, der auch oben angesprochen wurde, haben wir schon häufig diskutiert. Es ist nämlich immer wieder ein Thema, ob eine Rezension überhaupt objektiv sein kann. Natürlich versucht man seine Meinung, die so neutral wie irgend möglich sein sollte, auch zu begründen. Man sollte auch von eigenen Vorlieben Abstand nehmen. Aber, wie es weiter oben schon heißt, es bleibt halt die eigene Meinung, und die ist immer auch subjektiv gefärbt.

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