Sonntag, 21. September 2014

Christine Millman – Landsby


Interessante Zukunftsvision vor trostlos wirkender Kulisse

Inhalt


Sie lebt mitten im Nirgendwo, in einer der wenigen Kolonien, die noch existieren. Sie ist außerdem eine der wenigen fruchtbaren Frauen, also könnte sie sich glücklich schätzen.
Stattdessen fühlt sie sich gefangen und eingesperrt.



 Jules größte Angst, Trägerin des gefährlichen MM-Virus zu sein, könnte sich bald bewahrheiten, denn sie steht kurz vor den großen Untersuchungen. Die Konsequenz wäre, in die Außenwelt verbannt zu werden, wo Mutanten und andere Gefahren auf sie lauern.
Doch dann erfährt sie etwas in ihren Augen viel Schrecklicheres: Sie ist eines der ganz wenigen Mädchen, die in der Lage sind, Kinder zu bekommen. Die Aussicht darauf, als wandelnde Brutmaschine ins Reproduktionsprogramm aufgenommen zu werden, lässt sie sogar an Flucht denken. Widerwillig fügt sie sich schließlich, bis sie erkennen muss, welche Grausamkeiten den Probandinnen widerfahren. Sie flüchtet aus der Anlage und findet sich jenseits der Grenzmauern mitten in der Wildnis wieder.
Direkt unter ihren Feinden.



Meinung


Landsby ist mir schon auf mehreren Blogs als Geheimtipp begegnet und nicht nur das tolle Cover hat mich dazu gebracht, mir das Buch zu besorgen. Was mich erwartete, war eine ungewöhnliche Dystopie, die ich wirklich gerne gelesen habe.
Was mir mit am besten gefallen hat, waren die Figuren. Passend zu ihrem unwirtlichen Lebensraum sind sie keine einfach gestrickten Stereotypen, sondern vielschichtige, lebensechte und manchmal auch sehr spröde Charaktere, mit denen man erst warm werden muss. Trotzdem, und das hat mich am meisten positiv überrascht, haben sie oft eine liebenswerte, sympathische Seite an sich, die sie mal mehr, mal weniger verstecken. Jule, Galen, Manja und sogar die distanzierte Blue offenbaren nach und nach Aspekte ihrer Persönlichkeit, mit denen man anfangs gar nicht gerechnet hat. Sie entwickeln sich im Laufe der Geschichte weiter, überdenken getroffene Entscheidungen und vor allem ihre Einstellungen zueinander. Die Hauptperson zum Beispiel erscheint zu Anfang wie ein trotziger und gleichzeitig naiver Teenager, die immer mehr an Stärke und Reife gewinnt und schließlich auch die Erkenntnis zulassen kann, dass die Mutanten nicht die hässlichen, dummen und bösartigen Wesen sind, für die sie sie gehalten hat.



 Der Schreibstil harmoniert ebenfalls mit der Kulisse: Direkt, jugendlich und mit kurzen, knappen Sätzen führt die Autorin einem die teils kargen, teils wunderschönen Landschaften und deren Bewohner vor Augen. Die richtige Dosis Emotionen sorgt zudem dafür, dass die sich glücklicherweise langsam und realistisch entwickelnde Liebesgeschichte nachvollziehbar und nachfühlbar wird. Das vermischt mit der Problematik der Genmanipulation am Menschen und der Gefahr von Vorurteilen, die zur absoluten Wahrheit werden, sorgen für Spannung und den nötigen Tiefgang in der Handlung, die einen auch in den ruhigeren Szenen mitreißt.
Leider stolpert man überwiegend zum Schluss auf einige Ungereimtheiten. Das Verhalten mancher Protagonisten erschien mir etwas unlogisch beziehungsweise wurde nicht ausreichend erklärt, um verständlich zu sein. Auch die eigentliche Auflösung kommt etwas plötzlich. In der Hinsicht hat es sich Christine Millman ein bisschen zu leicht gemacht. Da hätte mehr Ausführlichkeit dem Ende wesentlich mehr Glaubwürdigkeit verliehen.



Fazit 


Landsby ist eine aus der Masse herausragende Dystopie, gerade wegen der Brisanz der Themen, die sie anspricht und die einen nachdenklich stimmen. Die interessanten und tiefgründigen Charaktere, aus denen man in vielen Fällen erst nach und nach schlau wird, der zur kargen Kulisse und zur Hauptperson passende Schreibstil und die sich realistisch entwickelnde Liebesgeschichte konnten mich zusätzlich für sich einnehmen.
Nur zum Ende hin werden die Schwierigkeiten etwas zu schnell aufgelöst und Meinungen nicht nachvollziehbar geändert. Da fehlen einfach mehr Erklärungen.
Wer ungewöhnliche Dystopien liebt, die eindringlich aktuelle Problematiken behandeln und Figuren bevorzugt, die Ecken und Kanten aufweisen und nicht so leicht einzuschätzen sind, für den ist dieses Buch wirklich der passende Geheimtipp.






Short Facts:
  • Autor: Christine Millman

  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform

  • Seiten: 372 (Broschiert)

  • Preis: 9,99 € 

     

 

 

 
4 Sterne








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