Donnerstag, 2. Oktober 2014

Blogtour Krähenmann Tag 4: Führung durch das Internat Rotensand






Hey, Leute, heute "überrasche" ich euch mit einer Führung durch den Hauptschauplatz des Romans, nämlich das Gymnasium Rotensand. Aber seid mir nicht böse, wenn ich das nicht selbst übernehme, sondern es einem Profi überlasse, der sich super auf dem Gelände auskennt.



Also lehnt euch zurück und genießt die Führung!





„Willkommen im Rotensand-Gymnasium! Ich hoffe, Sie hatten eine schöne Fahrt von Saßnitz hierher. Rügen soll ja um diese Jahreszeit wunderschön sein, blablabla.“
Der Mann öffnet das große Tor und lässt die Besucher auf das Gelände. „Genug der Höflichkeiten! Die höre ich von den Kindern schon oft genug! Macht sie wesentlich älter, als sie eigentlich sind. Und wenn man ihnen dann den Rücken zukehrt, muss man höllisch aufpassen, dass sie nichts kaputtmachen!“


Während er spricht, führt er die Gruppe den Gehweg entlang zum Internat hinauf. „Ich bin übrigens der Hausmeister. Mein Name tut nichts zur Sache. Wenn Sie sich über mich beschweren wollen, können Sie das sowieso. Ich wurde heute dazu verdonnert, Ihnen das Internat zu zeigen. Aber glauben Sie mir, das ist Ihnen lieber, als wenn eine dieser verzogenen Gören das macht, denn da landen Sie wahrscheinlich sonst wo.“


Vor den Ankömmlingen ragt das Gymnasium mit seinen roten Außenwänden empor, eine Gemeinsamkeit unter den einzelnen Gebäuden, die untermauert, was der Hauswart über die Geschichte des Grundstücks verkünden wird. „Früher war das alles hier einmal ein Gutshof. Der letzte Gutsherr hatte keine Kinder, denen er seinen Besitz vermachen konnte. Deswegen stiftete er ihn, damit man daraus ein Waisenhaus machen konnte. Erst nach der Wende wurde daraus das Eliteinternat, das Sie nun vor sich sehen.“
Inzwischen sind die Besucher bei dem großen Pausenhof angelangt, der an den Wegrändern zu den jeweiligen Trakten mit straßenlaternenähnlichen Lampen gesäumt ist. Dazwischen stehen vereinzelt große Bäume.


Der provisorische Fremdenführer deutet auf einen Punkt schräg hinter sich, dort, wo eine nicht unbeträchtliche Anzahl geparkter Autos stehen. „Dort drüben kann man seinen Pkw abstellen, aber meistens wird dieser Parkplatz von den Schülern belegt. Deswegen ist es wohl besser, dass Sie nicht mit Ihren eigenen Wagen angereist sind.“
Er dreht sich zur Gruppe und zeigt dann nacheinander auf die dreistöckigen Gebäude aus dem achtzehnten Jahrhundert um sie herum. „Da drüben in der Mitte ist das Haupthaus, wo Sie alle wichtigen Büros finden können, diejenigen der Lehrer, das Rektorat, das Sekretariat und sogar das des Schulpsychologen Dr. Bakker. Dann sehen Sie dort den Flügel, in welchem die Klassenräume untergebracht sind. Im Westen liegt der ungenutzte Trakt, der früher hauptsächlich als Waisenhaus gedient hat. Heute ist er nicht viel mehr als eine riesige Rumpelkammer, wo sich all das Zeug aus vergangenen Tagen stapelt, mit dem der Direktor Herr Sontheim unbedingt ein Museum eröffnen will. Und schlussendlich befinden sich am anderen Ende des Hofes die Wohngebäude, eines für die Mädchen und eines für Jungs.“


Der Hausmeister macht einen weiteren Schritt auf die große, uralte Eiche zu, die im Zentrum des gesamten Geländes wächst. „Schauen wir uns doch zuerst einmal das Hauptgebäude an. Da ich davon ausgehe, dass Sie sich noch gut daran erinnern, wie Klassenzimmer aussehen, dürfte der Schultrakt relativ uninteressant sein. Bis auf die hochmoderne Ausstattung gibt es dort nicht viel zu entdecken.“
Ohne darauf zu achten, ob man ihm auch wirklich folgt, schreitet er auf die offen stehende Eingangstür des Hauptgebäudes zu. Plötzlich stolpert er und sieht sich ungehalten am Boden nach dem Grund dafür um, dass er beinahe das Gleichgewicht verloren hätte. Fluchend hebt er unter einem großen Stein ein rechteckiges Etwas auf und zeigt es in die Runde. „Oh verdammt, welche von diesen Mistkröten hat hier dieses Puzzleteil liegen lassen? Immer muss man hinter diesen Gören herräumen!“ Er steckt das bunt bedruckte Papier in die Hosentasche und betritt das Bauwerk. „Vorsichtig mit der Schwelle! Sie ist leicht ausgetreten und der Boden frisch gewischt! Falls Sie doch ausrutschen, kann ich Sie gleich zu unserem Krankenzimmer bringen. Ist nur ein paar Meter entfernt in diese Richtung.“


Im Foyer bleibt er stehen und deutet in den Gang, der nach rechts abzweigt. „Dort finden Sie das Büro von Herrn Sontheim. Man kann es eigentlich nur schwer übersehen, dank der schweren, protzigen Flügeltür, auf der groß in goldenen Buchstaben Rektorat steht. Ganz am Ende des Korridors haben wir das Sekretariat, das hauptsächlich aus einem Tresen, dem Schreibtisch der Sekretärin und dem dazugehörigen Bürostuhl besteht. Nicht unbedingt Aufsehen erregend, außer dass dort sämtliche Schlüssel für alle Räume aufbewahrt werden.“
Ein bisschen unmotiviert drehte er sich um die eigene Achse. „Viel gibt es eigentlich nicht mehr über diesen Flügel zu erzählen. Hier drin ist noch die Aula, unser großer Festsaal, in dem die Bälle und Begrüßungsfeiern für die Neuzugänge stattfinden. Dort ganz in der Nähe ist auch die Ambulanz. Ansonsten sind die gesamten Lehrerbüros überall hier verteilt und wie gesagt auch das Sprechzimmer von Dr. Bakker.“


Scheinbar ist für ihn mit diesen wenigen Worten der Rundgang in dem Trakt beendet, denn er spaziert gelassen an den Besuchern vorbei wieder hinaus ins Freie. Er achtet gar nicht darauf, ob man ihm auch schnell genug folgen kann, denn sofort beginnt er wieder zu erzählen. „Am Hauptgebäude vorbei gelangt man in den Park dahinter. Weite Grünflächen, die vielen Bänke und der alte Springbrunnen sollen die Schüler wohl dazu bringen, sich angemessen zu erholen. Doch meistens treffen sie sich bloß zum Rauchen oder verschwinden gemeinsam im Gebüsch oder verlassen durch den Wald über den Radwanderweg nach Rotensand das Gelände. Sie können es sich ruhig mal anschauen, wenn Sie unbedingt wollen, aber der Platz ist eher zum Ausruhen gedacht.“


Er wartet nicht ab, ob jemand seinem Vorschlag Folge leistet, sondern schlendert zum Westflügel hinüber. Schon von außen erkennt man anhand der undichten, älteren und schmutzigen Fenster schnell, dass dies der ungenutzte Teil des Internats ist. Jener verfügt über einen separaten Eingang mit einer schweren Holztür, die durch ein modernes Schloss gesichert ist. Doch anstatt jenes aufzusperren, bleibt der Hausmeister davor stehen. „Wie Sie sehen können, betritt kaum jemand den Trakt hier. Im Inneren wird hauptsächlich Gerümpel gelagert, Kisten über Kisten mit Dekorationsgegenständen, die nur zu besonderen Anlässen hervorgeholt werden. Sogar die alten Bettgestelle des Waisenhauses befinden sich noch in den Schlafsälen. Ansonsten erwartet Sie dort drinnen hauptsächlich Staub, vergilbte und mit Wasserflecken übersäte Tapeten, abgetretene, ebenfalls fleckige Teppiche und ab und zu ein verirrter Vogel. Man müsste dringend mal ausräumen, aber Herr Sontheim will immer noch ein Museum daraus machen.“ Er wendet sich bereits von dem Komplex ab, als ihm etwas einfällt. „Es existiert auch ein geheimer Weg hinein, allerdings verrate ich Ihnen den nicht. Es reicht schon, dass ein paar dieser Gören ihn kennt.“


Zur Überraschung der gesamten Gruppe entschließt er sich, sie in eines der beiden Wohngebäude zu führen. Von außen sieht man dem Bauwerk an, dass es bereits über zweihundert Jahre alt ist, doch innen ist es hochmodern eingerichtet. Der Hauswart lässt den Eindruck erst einmal auf seine Schützlinge wirken, bevor er fortfährt. „So, hier schlafen die verzogenen Mädchen, entweder zu zwei oder zu dritt in einem Zimmer. Wo wer zu finden ist, können Sie dem Aushang hier entnehmen, da gibt es so etwas wie Privatsphäre nicht.“ Er zeigt auf den Anschlag hinter ihm. „Von jedem Gang zweigen genau dreizehn Räume ab. Sie sind von vorne ab durchnummeriert, also sollte es keine Schwierigkeit darstellen, die Person aufzuspüren, die man sucht.“
Mit zügigen Schritten marschiert er weiter und gibt zu den einzelnen Stationen nur kurze Statements ab. „Natürlich können die Schüler hier in der Mensa alle möglichen Menüs zu sich nehmen. Oder sich gemütlich in den Aufenthaltsraum zurückziehen. Und um die Gruppendynamik zu fördern, duscht man zusammen. Gemeinschaftsbäder sind sowohl bei den Mädels als auch bei den Jungs vorhanden.“


So schnell wie er den Flügel betreten hat, so schnell verlässt der Hausmeister ihn wieder, sodass die Besucher Mühe haben, zu ihm aufzuschließen. Zu ihrer Verwunderung eilt er über den Hof zurück auf das Eingangstor zu, sodass sich nicht wenige unter ihnen fragen, ob die hastige Führung bereits vorbei ist.
Währenddessen versorgt der Mann vor ihnen sie munter weiter mit knappen Details. „Auf dem Gelände befindet sich außerdem ein Sportplatz mit einer kleinen Schwimmhalle. In der Cafeteria bekommen die Schüler Kaffee, Kakao und anderes und die umfangreiche Bibliothek bietet viel Lesestoff. Allerdings setzen sich diese Gören dort lieber vor die hochmodernen Computer, wenn sie etwas lernen wollen.“
Kurz bleibt er stehen und hebt die Hand. „Ach ja, und der Garten und der dazugehörige Geräteschuppen sind hauptsächlich mein Wirkungsgebiet.“


„Aber jetzt weiter! Etwas muss ich Ihnen noch zeigen!“ Er winkt die erstaunte Gruppe durch das Tor hinaus auf die Straße, die nach Saßnitz führt. Bevor jemand erahnen kann, wohin er unterwegs ist, biegt er nach kurzer Zeit auf einen Waldpfad ab und eilt zwischen den hohen Bäumen voran.
Plötzlich macht er vor einem Zaun Halt, der kaum noch als solcher erkennbar ist, so sehr ist er von Unkraut überwachsen. Nur mit Mühe kann man das niedrige Tor entdecken, das wohl eine Gartenpforte darstellen soll. Denn hinter dem Zaun biegen sich große Obstbäume unter der Last der vielen Früchte, die an ihren Ästen hängen. Wenn man sich etwas anstrengt, lassen sich sogar völlig verwilderte Beete und ein Komposthaufen ausmachen.
Der Hausmeister dreht sich zu den Besuchern um, während er die Pforte öffnet. „Das ist der alte Schulgarten. Er gehörte zum Waisenhaus, wird jedoch heutzutage meistens bloß dafür genutzt, um aufsässige Jugendliche zu bestrafen. Sie müssen dann hier aufräumen, Äste aufsammeln, Unkraut jäten, die Äpfel, Birnen und Pflaumen ernten, so was eben.“
Er kneift die Augen im Licht der langsam untergehenden Sonne zusammen und blinzelt mehrmals. „Aber es ist ganz schön abgeschieden hier. Und so nah am Wald. Nicht unbedingt ein Ort, an dem man sich nach Einbruch der Dunkelheit noch herumtreiben sollte.“


Seine Schützlinge werfen sich unsichere Blicke zu, bis der Mann grinst. „Kommen Sie, gehen wir zurück. Hier passiert sowieso nichts.“
Als sie sich zusammen auf den Rückweg machen, glauben die vordersten der Gruppe, ihn ganz leise ein paar Worte murmeln zu hören, die nicht unbedingt beruhigend klingen. „Zumindest nicht Ihnen.“





So, das war's mit meiner kleinen Führung! Ich hoffe, ihr habt ein einigermaßen genaues Bild vom Rotensand-Internat erhalten, das euch Lust auf mehr macht. 



Wollt ihr noch weitere Informationen zum Buch? Dann schaut doch morgen HIER rein, dort verrät euch Sar Ahn ihre Gründe, weshalb man Krähenmann unbedingt lesen sollte!


Kommentare:

  1. Wow! Der Beitrag war ja richtig klasse. Der Text ist toll geschrieben und hat wirklich einen tollen Einblick in das Internat gegeben. Allerdings fand ich es ein klein wenig lang ;-). Doch das ist zum Glück geschmackssache. Hat das Puzzelteil irgendwas bestimmtes zu bedeuten? Ich bin ja gespannt.

    Danke für den tollen Beitrag.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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    Antworten
    1. Vielen lieben Dank für das Lob! Ich habe noch etwas versucht, ihn zu kürzen, aber ich wollte nicht bloß eine Aneinanderreihung der einzelnen Gebäude beschreiben ;)

      Zu dem Puzzleteil findest du hier weitere Infos: http://worldwidebookz.blogspot.de/2014/10/gewinnspiel-zur-blogtour-zu-krahenmann.html Also, falls du an dem Gewinnspiel teilnehmen willst, musst du auf den anderen Seiten der Blogtourteilnehmer nach weiteren Puzzleteilen suchen.

      Liebe Grüße und schönen Sonntag noch!
      RedSydney

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