Donnerstag, 18. Februar 2016

Val McDermid – Jane Austens Northanger Abbey


Das typische Jane-Austen-Flair wirkt manchmal deplatziert


Inhalt

Copyright by HarperCollins Germany

Bücher sind ihre Welt. Sie lebt jeden Tag mit und in ihnen. Und sie wartet nur darauf, dass eine dieser Geschichten endlich Realität wird.
Doch die Wirklichkeit ist aufregend genug.
 


Cat Morland möchte nur eins: Ihrem langweiligen Leben in dem englischen Dörfchen im Piddle Valley entkommen und endlich eines der Abenteuer erleben, die sie in ihren geliebten Romanen so gespannt verfolgt hat. Als ihre vermögenden Nachbarn ihr anbieten, sie mit nach Edinburgh zu nehmen, sieht sie ihre Chance gekommen. In der schottischen Großstadt wird ihr bestimmt etwas Interessantes zustoßen.
Ihr Traum scheint sich zu erfüllen, denn sie lernt den rätselhaften Henry Tilney kennen, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt. In ihrer Fantasie dichtet ihm eine geheimnisvolle Familiengeschichte an, aber die Wahrheit ist wesentlich mysteriöser, als sie sich in ihren wilden Träumereien je vorstellen konnte.




Meinung


Ich muss ganz ehrlich sein, ich bin ein Fan von Jane Austen. Dass sich nun ausgerechnet eine Krimi-Autorin an eine Neuadaption macht, fand ich ziemlich spannend. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, obwohl es mich nicht völlig überzeugen konnte.
Zu den Figuren muss ich sagen, dass Val McDermid zwar einerseits sehr gut den Ton und die Charakterisierung der Vorlage getroffen hat, aber andererseits ihren Figuren so manche Wesenszüge andichtet, die nicht direkt in unsere Zeit passen beziehungsweise sehr antiquiert wirken. Da hilft es auch nicht viel, wenn sich die Jugendlichen ständig über Facebook, Twitter und Twilight unterhalten. Zum Flair des Originals passt das hervorragend, doch für unserer Gegenwart waren mir vor allem die Mädchen einfach zu unselbstständig und naiv. Das bedeutet nicht, dass mir die Protagonisten generell nicht gefallen haben. Man muss sich lediglich auf sie einlassen, dann können sie auch die Geschichte tragen und so den Leser unterhalten.



Der Schreibstil erinnerte mich so stark an denjenigen von Jane Austen, dass ich mich gleich in einen ihrer Romane hineinversetzt fühlte. Unter dem Gesichtspunkt fand ich es auch überhaupt nicht schlimm, dass die Handlung nicht so ominös verläuft, wie man vielleicht aufgrund der Inhaltsangabe erwarten würde. Hier stehen in jedem Fall die gesellschaftlichen Verwicklungen wesentlich mehr im Vordergrund als irgendwelche Verbrechen, die es aufzuklären gilt. Das will ich mal vorwegnehmen, auch wenn es womöglich für den einen oder anderen ein Spoiler ist. Gerade bei der Schriftstellerin kann da schon mal ein falscher Eindruck entstehen.
Allerdings erscheinen dadurch auch so manche Szenen viel zu oberflächlich, gerade für uns. Im achtzehnten Jahrhundert waren eben schon Umstände skandalös, die uns heutzutage nur noch ein müdes Gähnen entlocken. Besonders die Ereignisse rund um Bella Thorpe langweilen wahrscheinlich die meisten eher als dass sie jemanden ernsthaft schockieren.



Fazit


Northanger Abbey von Val McDermid ist eine überdurchschnittliche Neuadaption des Klassikers von Jane Austen. Die Figuren, der Schreibstil und die Handlung, die alle stark an das Original angelehnt sind, machen den besonderen Charme und das Flair aus.
Leider sind die Charaktere und die Story an sich in vielen Teilen so stark an die Vorlage angelehnt, dass sie nicht vollständig in unsere Zeit passen und dadurch antiquiert und allzu oberflächlich wirken.
Wer die ursprüngliche Geschichte liebt, trotz der Autorin keinen spannenden Thriller erwartet und den die teilweise sehr seichten Verwicklungen nicht stören, der kann sich das Buch ruhig genauer ansehen.





Leseprobe


Short Facts:

  • Autor: Val McDermid 
  • Verlag: HarperCollins Germany 
  • Seiten: 448 (Gebunden) 
  • ISBN: 978-3959670180 
  • Preis: 19,90 € 


3 Sterne


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An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an den HarperCollins Germany Verlag und das Team von Literaturtest für das Rezensionsexemplar!

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