Sonntag, 17. April 2016

Joseph Fink & Jeffrey Cranor - Willkommen in Night Vale


Wenn skurrile Phantasie auf die harte Realität trifft...

Inhalt

Copyright by Klett-Cotta Verlag

Hier ist nichts normal und auf gar keinen Fall so, wie es auf den ersten Blick scheint. Es gibt absonderliche Bewohner, Gebäude und auch Regeln.
Und trotzdem ist hier vieles nur allzu vertraut.



Ein seltsamer Unbekannter betritt ihr Pfandhaus und bringt damit Jackie Fierros Leben völlig durcheinander. Er verpfändet lediglich einen einfachen Zettel mit den Worten "King City" darauf und verschwindet dann in der Wüste. Von da an wird Jackie das Papier nicht mehr los. Und nicht nur das: Niemand will und kann sich an den Fremden erinnern.
Ebenso ergeht es Diane, deren Arbeitskollege Evan plötzlich nicht mehr zur Arbeit erscheint und angeblich niemals dort angestellt war.
Gemeinsam versuchen die beiden Frauen, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen und lernen dabei die düstersten und gefährlichsten Orte in ganz Night Vale kennen.




Meinung

Willkommen in Night Vale hat schon im Vorfeld viel Beachtung durch die Podcasts erhalten, auf denen das Buch basiert. Ich selbst kenne die Sendungen nicht, vielleicht konnte mich die Geschichte deshalb nicht so mitreißen wie andere Leser.
An den Figuren lag das zumindest nicht. Ich mochte sie alle, eben weil sie so anders und trotzdem völlig vertraut sind. Ihre Probleme sind so alltäglich, obwohl sich die Gesetze ihrer Welt teilweise sehr stark von unserer Realität unterscheiden. Die Suche nach der eigenen Vergangenheit und Identität oder die Sorgen und Nöte rund um sein Kind verleihen den Charakteren eine gewisse Tiefe, mit der man sich wunderbar identifizieren kann. Gleichzeitig bestechen sie durch ihre skurrilen Absonderlichkeiten, die ihre Wesenszüge perfekt abrunden und ergänzen.
Zusätzlich würzen die zwei Autoren ihr Ensemble mit interessanten Nebenpersonen, über die ich gerne mehr erfahren hätte, die allerdings auch nicht zu kurz kommen.



 Der Schreibstil passt toll zum Setting, überrascht mit vielen abgedrehten Wortneudeutungen, Formulierungen und Beschreibungen und ist mit einem kuriosen Humor unterlegt, den man mögen muss. Diese Dinge und der Plot an sich, der eine völlig unübliche Story getragen hätte, waren für mich das Positive an dem Roman.
Leider ist die Handlung teilweise sehr chaotisch aufgebaut und bis auf einen dünnen roten Faden oft ziemlich zusammenhanglos. Das eigentliche Geschehen hätte man auch auf weniger Seiten erzählen können, was nicht heißt, dass mir das Werk zu dick war. Es gibt einfach nur einen zu dürftigen Inhalt preis und die originellen Zwischenkapitel der Stimme aus Night Vale sind nicht in der Lage, diese Lücken zu füllen. Als Podcast mag das gut funktionieren, aber für ein Buch sind die einzelnen Abschnitte einfach zu blass. Man langweilt sich aufgrund der kurzen Sätze kaum, doch es bleibt auch am Schluss nicht wirklich was hängen. Gerade hier, bei einer Veröffentlichung, die so viel verspricht, war das für mich besonders ärgerlich und frustrierend. Da hätte man noch einiges mehr daraus machen können.



Fazit


Willkommen in Night Vale ist ein ungewöhnliches Werk zu den Podcasts von Joseph Fink und Jeffrey Cranor. Ihre skurrilen und trotzdem wunderbar vertrauten Figuren, der schräge Schreibstil und die Idee einer ganz und gar ungewöhnlichen Stadt haben mir an dem Roman mit am besten gefallen.
Allerdings fehlte es mir eindeutig an dem dazu passenden Inhalt. Die Handlung ist viel zu dünn und teilweise so zusammenhanglos konstruiert, dass mich Night Vale nicht so begeistern konnte, wie ich es aufgrund des Hypes erwartet hatte.
Wer die Vorlage kennt und liebt, verrückte Charaktere und Orte mag und sich für zwischendurch mal etwas Abgedrehtes gönnen will, für den ist das Buch super geeignet.




Short Facts:

  • Autoren: Joseph Fink & Jeffrey Cranor
  • Verlag: Klett-Cotta
  • Seiten: 378 (Gebunden) 
  • ISBN: 978-3608961379
  • Preis: 19,95 €

     

    3,5 Sterne


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An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an den Klett- Cotta Verlag und das Team von Blogg Dein Buch für das Leseexemplar!

Mittwoch, 13. April 2016

Mathias Malzieu - Der kleinste Kuss der Welt


Niedliche Geschichte voller skurriler Ideen

Inhalt

Copyright by carl's books
Es ist nur ein Hauch von einem Kuss, doch er löst Ereignisse aus, die niemand jemals so vorhergesehen hätte.
Denn er kann die unsichtbare Frau einfach nicht vergessen.


Im Théatre du Renard erhält er seinen Lebensmut zurück, nachdem seine letzte Liebe sein Herz in tausend Teile zersplittern ließ. Eine mysteriöse Frau gibt ihm einen kleinen Kuss und verschwindet dann spurlos in der Menge. Gerade die Tatsache, dass sie einfach unsichtbar wurde und er deshalb nicht weiß, wer sie ist, macht ihn neugierig und weckt in ihm den Wunsch, sie unbedingt wiederfinden zu müssen.
Doch dafür muss er allen Einfallsreichtum als Erfinder aufbringen und darf nicht aufgeben, denn die Identität seiner Auserwählten lässt sich gar nicht so einfach ermitteln, wie es zuerst scheint.




Meinung

Von Malzieus Bücher habe ich schon vieles gehört, hauptsächlich dass sie in ihrer Sprache etwas Besonderes sind. Und genau das hat mir auch an dem Roman am besten gefallen, selbst wenn er mich nicht restlos überzeugen konnte.
Die Figuren sind allesamt ziemlich skurril, aber auch gleichzeitig sehr liebenswert. Besonders der deprimierte Erfinder besticht durch seine Entschlossenheit, die Frau seiner Träume zu finden, und seinen kuriosen Einfallsreichtum. Man muss ihn einfach lieben, vor allem wenn man Charaktere mag, die absolut keinem Schema F entsprechen.
Genauso erging es mir mit dem Privatdetektiv Neige und seinem Papagei, die den Haupthelden bei seiner Suche tatkräftig und mit einigen zum Schmunzeln anregenden Ideen unterstützen.
Leider kommen da die Frauen etwas zu kurz für meinen Geschmack, obwohl die Liebesgeschichte an sich sehr niedlich rübergebracht wird.




Wie schon erwähnt ist der Schreibstil etwas ganz Außergewöhnliches. Malzieu versteht es, seine von Metaphern nur so übersprudelnden Sätze so kunstvoll aneinanderzureihen, dass man sämtliche Szenen unglaublich bildlich vor Augen hat. So in dem Maße habe ich das bisher bei keinem anderen Schriftsteller erlebt. Hinzu kommt ein leiser Humor, der die Story nicht zu ernst nimmt und dadurch wunderbar auflockert und zusätzlich bereichert. All dies unterlegt die kleinen, aber nichtsdestotrotz wichtigen Weisheiten, die der Autor in seinem Werk verpackt, so zu Beispiel dass man das Richtige oft direkt vor der Nase hat, ohne es als solches wahrzunehmen.
Was ich dagegen etwas vermisst habe, war die Tiefe der Geschichte über die oben genannten positiven Punkte hinaus. Zum Ende hin wird das am deutlichsten. Nicht nur die Auflösung ist ab einem bestimmten Punkt vorhersehbar, sondern lässt auch die Magie und die wunderschönen Wortschöpfungen etwas vermissen, die mir die erste Hälfte versüßt haben.




Fazit

Mathias Malzieus neustes Werk, Der kleinste Kuss der Welt, beweist immer wieder, dass der Autor wie kein Zweiter mit Worten umgehen kann. Seine skurrilen und gleichzeitig einfach liebenswerten Figuren, seine bildhaften und sehr ungewöhnlichen Metaphern und seine kleinen Weisheiten haben mir an dem kurzen Roman am besten gefallen.
Nur für den im Vergleich zum Anfang etwas platten Schluss habe ich einen Stern abgezogen, da er qualitativ nicht zum Rest passt.
Wer kuriose Märchen und gelungene Poesie liebt, gerne Geschichten mit leisem Humor und wunderbar absonderlichen Einfällen liest und vor allem einen sprachgewaltigen Schreibstil bevorzugt, der sollte sich Malzieus Bücher nicht entgehen lassen!






Short Facts:

  • Autor: Mathias Malzieu
  • Verlag: carl's books 
  • Seiten: 144 (Broschiert) 
  • ISBN: 978-3-570-58547-4 
  • Preis: 12,99 € 

    4 Sterne



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An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an den carl's books Verlag  für das Rezensionsexemplar!


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